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Erschreckend – Die Fachwelt ist ratlos! (Newsflash 005)

(Dieser Satire-Text steht in Verbindung mit der Geschichte Zurück in die Evolution und dem Artikel Gedanken über die menschliche Evolution.

Immer mehr Menschen verlieren sich in die Welt des Cloud-Computing. Darüber sprachen wir mit Doktor Update, Leiter des WPH (Was-passiert-hier) Institutes. Von ihm erfuhren wir, dass die Menschen neuerdings bei der Pflichterfüllung ihrer Aufgaben dermaßen unter Druck stehen, dass ein entspanntes und ruhiges Leben gar nicht mehr möglich ist. Die Hauptursache für diese missliche Lage liegt in erster Linie an den täglich neuerscheinenden Apps, sowie den ganzen Geräten, die bei ihren Tätigkeiten dem Menschen das Leben zu erleichtern, diesem im Gegenzug immer mehr abverlangen.

Zudem kristallisiert sich ein weiteres Phänomen aus der Gesellschaft heraus, ein, wie es der Doktor nennt, Kommentierzwang. Es geht mittlerweile schon so weit, dass unter Straßenplakaten Kommentare hinterlassen werden. Auch die Panik davor, etwas zu verpassen, zum Beispiel ein Video, ist vermehrt zu beobachten. Es herrscht Angst, aus der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden, wenn man bei einem Thema nicht mitreden kann. Der Drang danach, alles durch Teilen zu verbreiten, ist in den letzten Jahren um ein Hundertfaches angestiegen.

Kritisch sieht Update es mit den Gerätschaften, die immer mehr das Sagen haben. Beispielsweise bestimmt ein Kühlschrank, was gegessen werden soll und was nicht. Erklärt der Doktor, während er auf dem Display seines Smartphones emphatisch rumwischt und dann einen „Daumen hoch“ unter dem Hunde-Video vergibt. Nebenbei berichtet er, dass sich die Wissenschaft diese Entwicklung nicht erklären kann. Auch über den Zeitpunkt, wann das alles begonnen hat, tappen sie im Dunkeln.

Da gab das Smartphon des Doktors eine Melodie von sich und dieser tippte sogleich aufgeregt auf dem Touchscreen herum und meinte im Anschluss, dass er das Gespräch unterbrechen müsse, da sein Küchenroboter sich gemeldet habe. Auf die Nachfrage, was dieser denn wollte, erwiderte Update, dass das Essen gleich fertig sei. Zudem benötigte der Kühlschrank noch Milch. »Milch«, murmelte der Doktor, »trinke ich schon seit Jahren nicht mehr, aber der Kühlschrank hat das noch nicht verstanden. Ich habe schon alles versucht, aber das mit der Kühlschranksoftware funktioniert irgendwie nicht. So kaufe ich halt eine Packung pro Woche und kippe diese dann im Austausch weg. Auf diese Weise gibt der Kühlschrank wenigstens Ruhe und jagt mich nicht mehr nachts aus dem Haus um Milch zu besorgen. Das Dumme dabei ist nur, dass ich zurzeit keine Milch und auch nichts anderes mehr kaufen kann, da mein Bankkonto verschwunden ist.«

Wir fragten nach dem Grund, doch diesen konnte er uns nicht nennen. Er habe schon auf verschiedenste Art versucht, es wiederherzustellen, doch vergebens. Niemand reagiert auf seine Mails und eine Hotline gibt es schon lange nicht mehr. Die Anweisungen, die er in der App Schritt für Schritt abgearbeitet hat, führen ihn nur im Kreis herum.

»Naja, und langsam wird der Kühlschrank echt aggressiv, da er keine Milch mehr bekommt und nun droht er zu allem Überfluss mit Komplettverriegelung.«

Wir verabschiedeten uns vom Professor und mussten ein wenig über den Spruch schmunzeln, welchen wir gerade auf dem Smartphone lasen und diesen sogleich mit einem Grinse-Emoji belohnten.

Tatsache – Menschen brauchen Klimawandel! (Newsflash 004)

Es ist eine unbestrittene und undiskutable Tatsache, dass Millionen von Menschen – trotz ihrer Kritiker – sich täglich an menschengemachtem Klimawandel erfreuen. Denn ist es doch wissenschaftlich und aus ärztlicher Sicht erwiesen, dass dieser Wandel die Gesundheit fördert und pure Entspannung bietet. Die Anhänger des gewollten Klimawandels wissen eben was gut ist und wollen mindestens einmal in der Woche den Klimawandel am eigenen Leibe spüren. Dieses wohlwollende und behagliche Gefühl von Hitze und dem prasselnden, kaltem Wasser danach. Dieser Regenschwall, der einem überkommt und alles unter den Füßen wegspült.

Hier ein Statement von Professor Doktor Doktor Saunaris: »Ich würde jedem raten, sich mindestens einmal in der Woche diesem Klimawandel auszusetzen. Anfangs ist es etwas gewöhnungsbedürftig, die Hitze auszuhalten und das Gefühl zu ertragen, wenn der Schweiß aus allen Poren dringt. Doch nach etwa 15 Minuten ist das dann auch schon wieder vorbei und man begibt sich in einen Eisraum, wo man sich die verdiente Abkühlung gönnt, danach eine kalte Dusche und ab ins Tauchbecken. Zum Abschluss ein warmes Fußbad und der Klimawandel, den man bei einem Saunagang erlebt, ist vollendet.«

Das vor die Tür gehen – ein riskantes Unterfangen! (Teufelskreis 001)

Die weltweit führendsten Wissenschaftler bestätigen: Das vor die Tür gehen ist für die Menschheit mit unvorstellbaren Gefahren bestückt. So mussten jetzt auch die letzten Zweifler an der „Die-Gefahr-Vor-Die-Tür-Geh-Theorie“ (in Fachkreisen kurz als DGVDTGT bezeichnet) endlich die schockierende Tatsache akzeptieren, dass man sich mit jedem Schritt, den man außerhalb der häuslichen Umgebung tätigt, in höchste Gefahr begibt und dabei das eigene Leben von einer Sekunde auf die andere eine dramatische Wende nehmen kann.

So ist es möglich, dass man von einem Bordstein zu Fall gebracht wird oder man mit dem Kopf gegen eines der zahlreichen Verkehrs-, Hinweis- oder Verbotsschilder knallt und das genau in dem Moment, wenn man gerade die neuesten Internet-Posts auf dem Smartphone in Ruhe studiert. Auch unsanfte Bekanntschaft mit einem Radfahrer, der ein Foto kommentiert, ist keine Seltenheit. Ebenso kann man plötzlich gezwungen werden, eine unsanfte Rolle über die Motorhaube eines vorbeifahrenden Autos zu vollführen. Und mit den Rentnergangs, die seit neuestem auf ihren E-Scootern die Fußgängerzonen unsicher machen, wollen wir erst gar nicht anfangen.

Dabei stehen nicht nur Unfälle an der Tagesordnung der DGVDTGT, nein, denn ebenso wenig ist das Risiko zu unterschätzen, draußen einem Menschen zu begegnen, der einen unerwarteten chemischen Prozesse in Gang setzt und ganz schnell hat man da irgendein Kind an der Hand nebst goldenem Ring am Finger. Von da an fristet man ein Leben, welches einen Tag für Tag, immer und immer wieder, nach draußen treibt und man schutzlos der DGVDTGT ausgeliefert ist … Ein Teufelskreis.

Doch es kommt noch schlimmer: Neueste Untersuchungen beweisen, dass das im vermeintlichen sicheren Wohnbereich zu bleiben, wesentlich mehr Gefahren beherbergt. Diese Studie, die als „Die-Gefahr-Hinter-Der-Tür-Bleiben-Theorie“ (kurz DGHDTBT) bezeichnet wird, deckte auf, was viele bereits ahnten und sich nur hinter vorgehaltener Hand getrauten auszusprechen, nämlich, dass die meisten Unfälle im Haushalt passieren.

Bleibt man also in den eigenen vier Wänden und ist der festen Überzeugung, der DGVDTGT zu trotzen, setzt man sich unweigerlich der DGHDTBT aus. Wer nun meint, beiden entgehen zu können und sich auf die vermeintlich sichere Datenautobahn des Internets begibt, in der festen Annahme, wild und unbedarft über diese hinwegbrausen zu können, unterliegt einem großen Irrtum. Denn hinter jedem Klick kann sich eine Falle verbergen, wie beispielsweise ein Verstoß gegen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) oder das Urheberrecht. Dieses kann schon durch ein lustiges Foto oder Video geschehen, welches man arglos irgendwo teilt, oder einen witzigen Spruch postet, wo es nicht sein durfte. Eine Abmahnung wird umgehend folgen. Des Weiteren lauern viele Viren und Trojaner, die sich unter anderem lieb als Katzenbildchen tarnen können. Ist man dann (natürlich aus Versehen) auf einer Homepage gelandet, die freizügige Menschen präsentiert, kann es da zu peinlichen Funden kommen. Wie etwa den Lebenspartner oder die Nachbarsleute, die in einer Position und Situation abgelichtet sind, die man so auch noch nicht gesehen hat.

Somit scheint es egal zu sein, was man macht und wie man sich verhält, denn alles ist mit Gefahren verbunden. Man wird immer gegen irgendeine Vorschrift verstoßen oder gar Gesetze brechen. Wenn man dann noch in einem Kleingartenverein ist … oh, oh und als Autofahrer steht man sowieso schon mit einem Bein im Gefängnis.

Ein Teufelskreis … Da bleibt nur eins: Strick nehmen und sich einen stabilen Ast an einem schönen Baum suchen. Das eine Ende des Seils nehmen und über den Ast werfen. Ordentlich festbinden und an dem anderen Ende des Taues eine Schlaufe knoten. Sich in diese setzen und erst mal schön schaukeln. Vielleicht durchbricht das Hin und Her den Kreis des Teufels.

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https://noxlupus.de/html/aaron_king_satire.html

Die Sage von Alphantis – Episode 1

In 8 Episoden – mit Prolog und Epilog.

von Aaron King.

Noxlupus-Verlag

Alphantis – Das Erstland im Unendlichkeits-Zeitalter.

Das Land, das keinen Widerstand leistete, als DIE kamen, um
ihre Sicht der Dinge, ihr Gedankengut, ihre Ideologien zu verbreiten.

(Ideologie: Das gebundene System einer Grundeinstellung, Weltanschauung und Wertung sowie politische Führungstheorien, die von den verschiedensten Gruppen auf unterschiedlichste Art erstellt worden sind und für sie die absolute Gültigkeit, sowie die einzig wahre Wahrheit darstellt.)

Episode 1

Eines Tages kamen Himmelsreisende mit ihrem Flugschiff nach Alphantis und landeten in der Stadt Xetrov. DIE Außerphantisten verließen ihr Raumfahrzeug und schauten sich sogleich alles genau an.

Interessiert wanderten DIE auf den Schotterstraßen und begutachteten die reetgedeckten, aus Baumstämmen gezimmerten Häuser, deren Fenster teilweise offenstanden und die Türen keine Vorrichtungen boten, um abgeschlossen zu werden. Die Leute, die sie unterwegs trafen, wurden freundlich gegrüßt und die Bewohner nickten mit einem Lächeln zurück. Einige von ihnen schöpften Wasser aus den Brunnen, die sich in der pflanzenreichen Stadt verteilten. Die Gebäude und die Straßen fügten sich so in die farbenprächtige Natur mit ein, als seien diese ein Teil von ihr – aus ihr erwachsen. Schließlich lief den Fremden ein Mädchen über den Weg und die Besucher sprachen es an: »Guten Tag, mein liebes Kind.«

»Einen schönen guten Tag, werte Gesellschaft, ich bin Ariana und wer seid Ihr?«, erwiderte die Kleine.

»Wir sind neu hier in der Gegend und kommen von sehr weit her. Wir möchten gerne wissen, wo man hier in dieser schönen Stadt etwas kaufen kann. Kannst du uns das verraten?«

»Kaufen?«

»Ja, kaufen, weißt du denn nicht was kaufen ist?«

Ariana schüttelte den Kopf und DIE fragten weiter: »Müsst ihr denn nie einkaufen? Etwas zu essen, Kleidung, technische Geräte, die einem das Leben erleichtern und vereinfachen. Eben all die Dinge, die man so dringend benötigt.«

»Nein, hier bei uns kann man nichts einkaufen und erleichtern … wieso erleichtern? Unser Leben ist doch nicht schwer.«

»Aber wie seid ihr denn lebensfähig, so ganz ohne die neuesten elektrotechnischen Errungenschaften?«, fragten DIE skeptisch.

»Och«, machte Ariana und schaute in den Himmel, »ich weiß auch nicht? Wir leben halt und es ist doch alles da was wir brauchen, da müssen wir nichts kaufen, schon gar keine Elektrotechnik, was auch immer das sein mag.«

»Wie, es ist alles da was ihr braucht?«, zweifelten DIE, »Du veralberst uns doch?!«

»Veralbern? Wieso sollte ich albern sein?«

»Es ist nicht zu fassen!«, staunten DIE. »Also gibt es wirklich keine Supermärkte, keine Elektrogeschäfte, keine Boutiquen. Aber wir haben doch so schöne Sachen mitgebracht, die wir gerne euren Händlern zum Weiterverkauf anbieten wollten.«

»Händler? Seid ihr Händler?«

»Ja, ganz recht. Großhändler!«, erklärten DIE und nahmen eine aufrechtere Haltung an.

»Und ihr als Großhändler braucht also Kleinhändler denen ihr was verkaufen könnt?«

»So sieht es aus. Aber sag uns doch einmal, kleine Ariana, wenn ihr keinen Kaufmannsladen und auch keinen Markt habt, wo bekommt ihr denn zum Beispiel euer Essen her?«

»Das Essen kommt zum Teil vom Spielplatz oder aus dem Wasser und dem Wald.«

»Vom Spielplatz?!«, riefen DIE verblüfft.

»Sicher, woher denn sonst? Wollt ihr ihn vielleicht mal sehen?«

***

Und ob sie wollten, ganz versessen waren DIE darauf, diese Stätte kennenzulernen und so führte Ariana die Großhändler über die Hauptstraße aus der Stadt hinaus. Auf ihrem Fußmarsch begegneten ihnen vereinzelnd Pferdewagen, die mit Holzstämmen und Reet beladen waren. Andere wiederum hatten Lebensmittel wie Brot, Obst und Gemüse bei sich. Die Pferde schritten gemütlich voran und neben ihnen ging jeweils ein Mann oder eine Frau, die das Tier an einer Leine führten. Einige Kinder liefen nebenher und winkten eifrig Ariana und ihrer Begleitung zu.

Einige hundert Meter außerhalb kamen sie an einem Platz vorbei, wo Hühner pickten und scharrten, Schafe und Ziegen grasten, sich Schweine tummelten und Kühe wiederkäuend dastanden. Das Areal war umgeben von Ställen, in denen lächelnde Frauen und Männer mit ihren Kindern die Schafe scherten, die Kühe melkten, die Eier einsammelten und die Tierunterkünfte ausmisteten.

Ein Fluss schlängelte sich von den Bergen kommend durch die Landschaft und zwei Wassermühlen verrichteten ihre Arbeit. Etwas abseits von den Tieren wurde vor einem Haus geschlachtet und in einem weiteren Gebäude befand sich die Bäckerei, die mit frischem Mehl aus den Mühlen versorgt wurde.

Nach ungefähr einem Kilometer kam Ariana mit ihrer Begleitung am Spielplatz an. Dieser bestand aus diversen Feldern, auf denen die Einheimischen fröhlich singend alles Zeitgemäße ernteten und pflegten. Auf der Obstplantage entdeckte Ariana ihre Eltern mit ihrem Bruder. Sie winkte die Familie zu sich und das Mädchen stellte die Besucher vor. Es seien Großhändler, die von sehr weit hergekommen sind und die tollsten Sachen dabeihaben, wie elektrotechnische Geräte, die einem das Leben erleichtern und nun sind sie auf der Suche nach Kleinhändlern, die ihnen alles abkaufen sollen, damit diese dann etwas haben, was sie wiederum weiterverkaufen können. Auf die Nachfrage hin, wo sie denn die Sachen herhaben, die sie verkaufen wollen, erklärten DIE, dass sie selber alles von den Herstellern und Erzeugern erworben haben.

Ebenso wenig wie Ariana zuvor, verstanden auch ihre Eltern nicht, was die Fremden genau vorhatten, beziehungsweise was sie mit dem Ganzen bezwecken wollten, und erklärten nun den Gästen erneut, dass doch von allem genug da sei und es irgendwie überhaupt keinen Sinn macht, etwas zu kaufen, um es dann gleich wieder weiterzuverkaufen … wieso alles drei- bis viermal kaufen und verkaufen, hin und herschleppen, bis es endlich da ankommt wo es gebraucht wird.

»Aber wir sehen doch, dass euch hier so allerhand fehlt. So können wir beispielsweise nirgends Bananen- oder Ananasstauden entdecken. Doch gerade diese sind so wichtig und darum gibt es die Möglichkeit, diese zu kaufen.«

»Ananas … Bananen, was ist das?«, fragte Arianas Mutter.

»Das ist tolles Obst, ihr könnt doch nicht nur von diesen paar Sorten leben«, DIE zeigten auf die Plantage, »wenn es doch noch so viel mehr Sorten gibt.«

»Nur weil es diese vielleicht gibt, bedeutet das doch nicht zwangsweise, dass wir diese auch benötigen! Wenn wir Bananen und all die anderen Obstsorten bräuchten, würden sie hier auch wachsen. Da sie das aber nicht tun, brauchen wir sie also auch nicht und somit müssen diese Dinge nicht wie wild durch die Gegend transportiert werden. Ach ja, und Geräte, die einem das Leben erleichtern … wozu? Gibt es denn ein leichteres Leben als das, welches wir hier führen?«, lächelte Mutter Felina schließlich und richtete nun ihr Augenmerk auf die Tochter, »was ist mit dir Ariana? Kommst du mit zum Spielen aufs Feld?«

»Ich glaube es ist notwendiger, diesen Leuten unseren Lebenswirtschaftsraum zu zeigen.«

»Da tust du ein gutes Werk«, bestätigte der Vater Silias.

»Und ich werde dich dabei unterstützen«, beschloss Felina.

»Aber heute Nachmittag kommt ihr beide doch mit ins Theater oder …?«, fragte der Sohn und Bruder Elias.

»Na, klar. Die neue Inszenierung werden wir uns doch nicht entgehen lassen«, antwortete die Mutter mit leuchtenden Augen.

***

Ariana und ihre Mutter spazierten mit den Großhändlern an einem See vorbei, wo einige Menschen in Ruderboten saßen und fischten. Ihre weitere Wanderung brachte die Gruppe zu einem Wald, in dem sie einige Holzfäller trafen, die dabei waren, Feuerholz zu hacken, welches von den Frauen und Kindern auf bereitstehende Fuhrwerke gestapelt wurde. Ein weiterer Trupp stellte Baumaterial her und verlud es ebenfalls auf die Wagen. Zwei Frauen, die jeweils einen Köcher mit Pfeilen und Bogen über den Rücken trugen, hatten ein Reh auf einer Trage liegen, das sie zum Schlachthaus bringen wollten.

Nach einer Weile hatten sie den Wald sowie eine Lichtung, die neu bepflanzt wurde, hinter sich gelassen und kamen am Bastlerviertel an. So wurde der Stadtteil genannt, in dem sich unter anderem die Gerberei, die Webstuben und Schneider, die Tischler und Schmiede mit dem Werkzeugmacher sowie die Töpferei befanden. Das Rohmaterial für die verschiedensten Güter stammten Beispielsweise von den umliegenden Erzminen, den Tongruben und dem Baumwollfeld sowie der Rinderfarm.

Von diesem Bastelviertel aus konnte man in einiger Entfernung die Wohnhäuser erkennen, da die Führung entlang der Hauptstraße verlief und diese einen Rundweg darstellte. An dieser Straße befand sich alles Lebenswichtige, wobei einige Wege von ihr abführten, worüber man beispielsweise zu den Minen und den Tongruben gelangte.

Die anwesenden Kinder versammelten sich neugierig um die Neuankömmlinge und erzählten, dass sie hier zusammen mit ihren Eltern alle notwendigen Sachen basteln würden. Befremdlich wirkte auf DIE auch hier die Vorgehensweise, wie die Leute ihre Tätigkeiten ausübten. Es schien so, als passiere die eigentliche Arbeit nebenbei.

»Wie könnt ihr alle hier nur so ruhig arbeiten? Habt ihr denn keine Termine um die Aufträge einzuhalten?«, fragten DIE.

»Arbeiten? Termine? Aufträge? Was bedeutet das alles«, fragte Felina. Doch ohne die Antwort abzuwarten sagte sie: »Wir fertigen und pflanzen das an, was gerade benötigt wird. So einfach ist das.«

»Ja, und nach ungefähr fünf Stunden wird mit dem Spielen und Basteln aufgehört«, erklärte Ariana, »und jeder nimmt sich das, was er für sich und seine Familie braucht. So ist es in ganz Alphantis.«

»Das hört sich alles so unglaublich an Felina, doch erkläre uns bitte, wie wird das alles hier denn nun finanziert?«

»Was meint ihr?«

»Wer oder wie bezahlt ihr das alles?«

»Das verstehe ich nicht, hier bei uns macht jeder das Notwendige und so muss keiner bezahlen, was auch immer das sein mag, und wir brauchen nichts zu kaufen, keiner von Alphantis. Hier gibt es viele Lebenswirtschaftsräume wie den unsrigen, jeder Ort sorgt für sich und wir besuchen uns untereinander, tauschen uns aus.«

Jetzt verstanden die Händler das System und sie sahen klagend ein, dass es hier an diesem Ort mit Namen Xetrov, ja anscheinend in ganz Alphantis, keine Möglichkeit gab, ihre Waren zu veräußern. So haben DIE es nicht geschafft, dieses Land mit ihrer Wirtschaftsideologie zu erobern, denn dieses Gedankengut glitt unbeachtet an den Bewohnern von Alphantis ab. Darum bestiegen DIE ihr Raumfahrzeug und wurden nie wieder gesehen.

Ende der Episode 1: Die Händler

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https://noxlupus.de/html/mini-books.html#AK-Kurzgeschichten

Verblasst

Eine Kurzgeschichte

von Cornelia Herz (Noxlupus Autor)

Roy Reynolds griff routiniert zur Flasche, drehte den Deckel ab und goss den Whisky in das Glas mit den Eiswürfeln. Er stellte ihn zurück auf den Tresen der Wohnzimmerbar, nahm das Getränk und ging hinüber zur Glasfront, öffnete die Schiebetür und betrat den Granitboden der Terrasse. Er schaute hinüber zum Schwimmteich und ließ seinen Blick weiter über den parkähnlichen Garten schweifen. Er sog die frische, feuchte Abendluft des Frühlings intensiv ein, um anschließend den achtzehn Jahre gereiften Whisky hinunterzuschütten.

Roy starrte auf das Glas in seiner Hand, in dem die Eiswürfel am Boden klimperten. »Na, meine kleinen Freunde, wollt ihr wieder schwimmen«, murmelte er und ging zurück ins Haus. Mit der noch offenen Flasche kam er zurück und setzte sich mit ihr an den Gartentisch. Nachdem der vierte Whisky in seinem Innersten verschwunden war, wurde ihm klar, wie dieses Ritual in den letzten Jahren zur Gewohnheit geworden war und es wurden immer mehr Gläser die er leerte. Dieses Verhalten betraf nicht nur die Abende, auch morgens, wenn keine Termine für den Tag eingetragen waren, öffnete er bereits schon vor dem Frühstück eine neue Flasche.

Roy musste sich eingestehen, dass seine Zeit abgelaufen war. Das zeigten ihm unter anderem die immer weniger werdenden Postboxen, in denen sich die Anfragen oder besser gesagt die Bettelbriefe befanden. Die er, beziehungsweise seine Produktionsfirma, in den letzten zwei Jahrzehnten bekam. Nicht nur die Anzahl der Briefe ging zurück, auch die Emails schrumpften auf eine überschaubare Menge und für seine Fan-Post benötigte er niemanden mehr, der diese bearbeitete. Vorbei war die Zeit, dass es hieß: »Wer bei Roy in der Show auftritt, der hat es geschafft«. Und so war es auch. Alles was Rang und Namen hatte tauchte als Gast in Roys Late-Night-Show auf, die von montags bis freitags ausgestrahlt wurde.

Roy – der Late-Night-Dino, wie ihn die Medien und die Newcomer der Branche nannten. Es zeigte sich deutlich, dass die nächste Generation von Sprücheklopfern herangewachsen war und auf ihre Chance lauerte. Junge Typen, die zudem noch gut aussahen, beherrschten die Mattscheibe und das Internet. Nun waren es ihre, nicht mehr seine Sprüche und Witze, die die Menge begeisterten und Trends setzten.

Er, und ebenso seine zumeist provokanten Sprüche, gelten zwar als Kult, was für ihn allerdings nur Gewohnheit bedeutete. Und diese Gewohnheit war es auch, die seine letzten Fans vor die Fernseher trieb. Genauso wie er seine Show aus Gewohnheit moderierte und allmählich machte er sich Gedanken, wie lange er noch an diesem Format festhalten sollte. Sollte er warten, bis der Sender ihm sagt: »Roy, du warst gut, es war eine nette Zusammenarbeit. Ach übrigens, ich möchte dir jemanden vorstellen.« Und dieser jemand wird dann einer von diesen jungen hippen Typen sein, der gerade gestartet ist.

Doch der einstige Late-Night-King wollte nicht in Selbstmitleid und Depressionen vergehen und als ihm an diesem Spätabend bewusst wurde, dass er auf bestem Wege dahin sei, geriet er in Panik und wollte nicht, dass alles damit endet, dass das einzige, was noch von ihm in den Zeitungen berichtet wird, seine Alkoholexzesse sind … die er bis jetzt noch geheim halten konnte. Dann schon lieber gar keine Schlagzeilen als solche. So wie es bei vielen seiner Kollegen der Fall ist, die sich im Show-Geschäft bewegen.

Wenn es nur nach dem Geld ginge, so hätte Roy schon vor Jahren aufhören können, doch die Sucht nach dem Scheinwerferlicht, die Befriedigung des jubelnden Publikums trieben ihn an, auch wenn das alles immer weiter zurückging, ja, es kam ihm sogar vor wie Mitleidsbekundungen. Vorbei war die Zeit, als zusätzlich zur Show große Werbeverträge mit ihm abgeschlossen wurden und er die gigantischsten Medienevents moderierte.

Doch einfach aufhören wollte Roy nicht, zu groß war die Liebe zur Bühne. Er musste sich eingestehen, dass es an der Zeit war, eine Entscheidung zu treffen, wenn er nicht die Sucht des Rampenlichts mit der Alkoholsucht tauschen wollte. So wollte er auch nicht darauf warten, bis die Bosse des Senders ihm ein Gnadenbrot zuwerfen und ihn ab und zu auf die Weide stellen, wie ein ausgedientes Spitzenrennpferd. Denn das war er einst: Das beste Pferd im Stall der Unterhaltung. Wer auf ihn setzte gewann. Dann schon eher hinter der Bühne als Produzent. Er kannte das gesamte Spektrum eines wahren Unterhaltungskünstlers. Er sang, machte Stand-up-Comedy, spielte Sketsche, war an einigen Filmen als Schauspieler beteiligt, wusste was und wie man wem die richtigen Fragen stellte.

***

Im nächsten Meeting verkündete Roy, dass es aus seiner Sicht allmählich an der Zeit sei, sein Tätigkeitsfeld zu verändern. Er war der Meinung, dass sein Talkshowformat, ebenso wie er, abgenutzt war. Bei dieser Nachricht atmete der Chef des Senders erleichtert auf. Roy war ihm zuvorgekommen, da zum Ende des Jahres die Show sowieso abgesetzt werden sollte. Roy erzählte von seinen Plänen, selber Shows zu produzieren und er hätte da auch schon einige zeitgemäße Ideen, die er sogleich den Anwesenden vortrug.

Es war die richtige Entscheidung, es selbst in die Hand zu nehmen und nicht zu warten, bis andere für ihn entschieden. So konnte Roy sich allmählich daran gewöhnen, dass seine Zeit vor der Kamera zu Ende ging. Er konnte langsam mit dem Entzug beginnen. Die Showbranche hatte ihn nicht geschlagen. Und es kam wie es kommen musste: Sein Ruhm verblasste, doch er selber bekam durch seinen neuen Weg wieder Farbe.

Noxlupus-Verlag

Das Noxlupus Geheimnis

Wer hinter dem ganzen Noxlupus-Kram steckt, erfahren Sie wenn Sie weiterlesen.

Ich sehe etwas, höre manchmal nur ein Wort und schon tanzen Bilder dazu in meinem Kopf. Bilder, die eine kleine Idee entstehen lassen. Manchmal verblasst diese wieder, doch hin und wieder wächst die Idee weiter und weiter, bis sie sich letztendlich als Handlung einer Geschichte entpuppt. Einer Geschichte, die geschrieben werden muss.

Doch mit dem richtigen Geschichtenschreiben dauerte es – so an die 25 Jahre. All die Jahre zuvor hatte ich nur Ideen gesammelt und Entwürfe verfasst. Am wirklichen Schreiben hatte ich mich selbst gehindert, da ich extreme Kämpfe mit der Rechtschreibung und dem Lesen auszutragen hatte. Und ehrlich gesagt, die Friedenspfeife ist immer noch nicht so wirklich geraucht.

Durch meine ausgeprägte Legasthenie habe ich erst mit Mitte 20 so richtig angefangen Romane zu lesen. Denn das Lesen brachte mir ja aus gegebenem Anlass nun auch nicht wirklich Spaß, was heute inzwischen ganz anders ist. Den Drang, meine eigenen Geschichten zu Papier zu bringen, verspürte ich allerdings schon sehr viel früher. Erste Versuche wurden im stillen Kämmerchen auf einer elektrischen Schreibmaschine gehämmert, später dann in den PC geschrieben.

Bis ich mir vor einigen Jahren sagte: „Was soll´s! Raus aus deiner Kammer. Rechtschreibung hin oder her.“ So begab ich mich auf die Suche nach Profis und knüpfte Kontakte zu freiberuflichen Lektoren und vor allem Korrektoren.

Und tatsächlich, nach all den Jahren hielt ich 2011 meinen ersten fertigen Roman in den Händen. „Und jetzt?“ Da ich keine Lust auf Verlagsabsagen hatte, entschied ich mich dazu, mein erstes Buch im eigenen Verlag herauszubringen. So legte ich mit diesem Buch den Grundstein für die Nick-Francis-Reihe.

Doch bei dieser Buchreihe soll es nicht bleiben, denn viele keimende Ideen warten noch darauf, großgezogen zu werden, um sich auf dem hart umkämpften Buchmarkt zu etablieren. Aus diesem Grunde habe ich mich aufgemacht und eine Expedition durch den Dschungel der Literatur gestartet.

Hier auf der Noxlupus-Seite habe ich mein Basislager errichtet. Anschließend zückte ich meine Machete, um mich durch das vor mir liegende Buschwerk zu schlagen. Welches aus einem Dickicht von Bestsellerromanen, Machwerke von Prominenten und Hobbyschriftstellerkollegen sowie Sachbüchern und was weiß der Bücherwurm noch alles, besteht.

Jeder kann heutzutage seine literarischen Ergüsse ohne großen Aufwand veröffentlichen und einer breiten Masse zugänglich machen. Das ist weiter kein Problem. Nur die Masse dann zu erreichen, das ist die wirkliche Kunst. Denn schon ein kleines Grüppchen von Lesern um sich zu scharen stellt eine große Herausforderung dar.

Einen Bestseller schreiben können viele, einen Bestseller machen nur wenige. Ein gutes Buch alleine reicht nicht – wobei sich natürlich die Frage stellt, wer eigentlich entscheidet, welches Buch „gut“ ist. Promistimmen, Literaturkritiker, Buchhändler und allen voran die Presse, die von diesen Leuten mit Informationen versorgt wird, haben eine enorme Macht um die Leserschaft zu überzeugen. Wer sich als Autor in diesen Gefilden tummelt, hat sich den anderen gegenüber schon mal einen großen Vorteil verschafft.

Der Kampf um jeden einzelnen Leser begann bereits in einem Zeitalter, als der Computer noch nicht entwickelt worden war. Die große Wende in diesem Kampf brachte dann allerdings nicht der Computer, sondern das Internet, welches in den letzten Jahren eine wahre Flut von Massenveröffentlichungen über uns hat hereinbrechen lassen. Der Dschungel wird immer dichter, der Kampf immer härter, aber ich habe ihn mit Begeisterung aufgenommen, egal wie lange er dauern wird, dieser Kampf wie einst David gegen Goliath … und wir wissen ja, wer da am Ende wessen Kopf triumphierend in die Höhe hielt.

Möge eure Macht mit mir sein, auf dass ich mich in diesem Dschungel behaupten kann und meine Expedition erfolgreich wird. Darum werdet doch gleich ein „Noxianer“ und folgt mir auf dem Pfad, den ich für uns in den Urwald geschlagen habe, um diesen Stück für Stück zu verbreitern, damit das Gesamtwerk Noxlupus ausreichend Platz bekommt.

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Das Schöne am Schreiben ist, dass man sich die Welt genau so zurechtbasteln kann, wie man sie haben möchte! Noxlupus … Ein Schreiber, kein Redner und schon gar kein Vorleser.

Anmerkung: Alle Autorennamen die hier auf dieser Verlags-Homepage genannt werden gehören zum Noxlupus-Gesamtwerk und sind meine Pseudonyme, die ich für die verschiedensten Textarten nutze. Jeder „Autor“ hat sein eigenes Themengebiet bekommen. Der Name Noxlupus ist letztendlich das Gebäude und die „Autoren-Namen“ stellen die einzelnen Zimmer dar, in denen sich jeweils etwas anderes abspielt. Anhand des Namens kann der regelmäßige Leser in etwa erahnen, was ihn hinter der jeweiligen Tür erwarten wird … so die Idee. Also, alles was ich (NOXLUPUS) hier veröffentliche stammt aus einer Tastatur und überall wo NOXLUPUS draufsteht ist auch NOXLUPUS drin. Wer wissen möchte, warum gerade Noxlupus … die Lösung ist im ersten Nick-Francis-Buch zu finden 😉

… und dann klingelte das Telefon

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Die blonde Frau verabschiedete sich von ihren Kindern und streichelte dem Hund über den Kopf. Ihr Mann wurde im Vorbeigehen mit einem liebevollen Kuss bedacht. Der Vater und die Kinder konnten sich noch etwa eine halbe Stunde zu Hause aufhalten, ehe es dann soweit war, dass die zwei Kleinen in den Kindergarten gebracht werden mussten und die Große in die Schule. Der Familienvater fuhr dann anschließend weiter zur Arbeit.

Ein Mann raste mit seinem Wagen über die Landstraße und kam immer näher an das vor ihm fahrende Auto heran. Ohne zu bremsen, geschweige denn den Fuß etwas vom Gas zu nehmen, setzte er an und überholte rasch noch vor der nächsten uneinsichtigen Kurve. Kurz bevor er wieder zurück auf seine Fahrbahn zog, schoss auch schon der Gegenverkehr an ihm vorbei. Er atmete tief durch und fühlte sich gut bei diesem für ihn berauschenden Gefühl. Nach der Kurve kam dann auch für ihn der ersehnte Punkt, an dem die Landstraße zweispurig wurde. Im Rückspiegel entdeckte er das Fahrzeug, welches er gerade überholt hatte, doch es wurde immer kleiner als er auf der linken Spur freie Bahn hatte und das Gaspedal bearbeitete.

Schnell war die Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h um 40 überschritten. Unbewusst spannte er seinen Nacken und die Schultern an, kontrollierte die Blitzer-App. Vor ihm auf der rechten Fahrbahn tauchten weitere Autos auf, wovon eines plötzlich ausscherte, um seinen Vordermann zu überholen. Mit seinen 140 km/h klebte er schnell an dem Überholfahrzeug, bremste kurz vorher ab und achtete peinlichst genau darauf, dass der Sicherheitsabstand von 2 Metern eingehalten wurde, um dem Vorfahrenden zu signalisieren, dass dieser tunlichst von der linken Spur zu verschwinden hat. Dabei spielte es keine Rolle, dass dieser bereits 10 km/h schneller fuhr als erlaubt.

Vor der Stadt wurde der Verkehr zähflüssiger, bis sich letztendlich alles zu einem Stau weiterentwickelt hatte. Nichts war mehr von seinem Geschwindigkeitsrausch geblieben. „Scheiße!“, fluchte er. Was sollte das? Schließlich hatte er Feierabend und wollte nach Hause. Was fuhren die anderen hier so blöd rum. Er betätigte den Knopf an der Tür und das Fenster bewegte sich nach unten. Er zündete sich eine Zigarette an und nahm die Dose mit dem Energydrink aus der Halterung.

Innerlich wetterte er: „Schau sie dir an, diese alten Klamotten, alles Rentner. Die haben hier im Berufsverkehr nichts zu suchen, die können doch vormittags fahren, aber nein, jetzt müssen die aus dem Haus und einkaufen.“ Er drückte die Zigarette aus, nahm das Smartphone zur Hand, tippte und wischte gedankenverloren darauf herum, um letztendlich freudig festzustellen, dass der Spruch, den er bei der Arbeit gepostet hatte, bereits fünfundzwanzig Likes verbuchen konnte. Er begann etwas zu schreiben …

Das Martinshorn holte ihn aus dem Reich der Likebestätigungseuphorie. Genervt schaute er in den Rückspiegel. Direkt hinter ihm stand ein Rettungswagen. „Was denn fahr doch vorbei … Idiot.“ Doch der „Idiot“ konnte nicht, es war nicht ausreichend Platz. Weder auf der einen noch auf der anderen Seite. Er tippte auf Senden und legte das Handy auf den Beifahrersitz, um die Hände frei zu haben, damit er den Wagen so rangieren konnte, dass der Rettungswagen den benötigten Platz bekam.

Nach zwanzig Minuten war auch er auf Höhe des Unfallortes angekommen und hätte sofort Gas geben können, denn vor ihm löste sich der Stau rasch auf, da es wieder zweispurig wurde. Doch anstatt schneller zu werden, verlangsamte er sogar noch das Tempo und schaute zu den verkeilten Autowracks, so wie es die meisten taten und dadurch diesen langen Stau größtenteils verursachten. Rasch nahm er das Handy und machte im Vorbeirollen zwei Fotos, dann schüttelte er den Kopf: „Diese Idioten, können alle nicht Autofahren.“ Dann fuhr er ruhig weiter und nach ein paar Metern gab er Gas, um schnell noch über die nächste Ampel zu kommen, die gerade auf Rot umsprang. Er drückte das Gaspedal durch und beachtete das Auto, welches von rechts kam und von einer blonden Frau gesteuert wurde, nicht.

Der Hund lag neben der Haustür, bei den Schuhen der Familie. Seine innere Uhr zeigte an, dass Frauchen bald nach Hause kommen würde. Alles im Haus deutete darauf hin. Der Mann deckte gemeinsam mit der großen Tochter den Tisch und die Kleinen spielten im Wohnzimmer. Sie wartenten gespannt auf die Türklingel, um dann der Mutter zu öffnen, die keinen Schlüssel benutzen durfte, denn die Kinder taten nichts lieber als die Tür für sie zu öffnen, um sie freudig in Empfang zu nehmen. Doch an jenem Nachmittag schellte nicht die Türklingel, sondern es klingelte das Telefon. Die Türklingel in diesem Haus sollte für immer verstummen.

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Interessant – Nach der letzten Schulstreik-Demo! (Newsflash 003)

Nach der letzten Schulstreik-Demo der vergangenen Woche hatten es einige der engagiertesten Kinder sehr eilig nach Hause zu kommen. Sie wollten früh ins Bett, denn bereits um vier Uhr sollte die Nacht für sie zu Ende sein.

So donnerten sieben schwere Autos in den frühen Morgenstunden des darauffolgenden Tages über die Autobahn, dem etwa 150 Kilometer entfernten Flughafen entgegen. In den Fahrzeugen befanden sich zumeist ein Elternpaar und zwei bis vier Schüler, sowie vereinzelnd ein Lehrkörper – je nach Kapazität des Wagens.

Einige Eltern ließen es sich nicht nehmen, ihr Kind persönlich zum Flughafen zu kutschieren, um es zum Abschied noch einmal in die Arme zu schließen und in sieben Tagen werden sie wieder zum Empfang ihrer Brut bereitstehen, wenn diese aus Spanien zurückgekehrt ist.

Trotz der Flugerfahrung, die die meisten der Jugendlichen bereits hatten, war unter ihnen eine gewisse Aufregung zu spüren. So waren doch die meisten mindestens einmal mit ihren Eltern in den Urlaub geflogen oder sind im letzten Jahr bei der Frankreichtour dabei gewesen. Diese Schülerreisen sind notwendig, da diese erheblich dazu beitragen, die Fremdsprachenkenntnisse der Lernenden zu verbessern – erklärte ein Lehrer – ohne diese Erfahrung, ist es ja quasi unmöglich, eine Sprache korrekt zu lernen. Man muss schon das jeweilige Flair des jeweiligen Landes einmal gespürt haben.

In der Wartehalle unterhielt sich die Gruppe begeistert über das bevorstehende Abenteuer und einige schmiedeten bereits Pläne für die nächste Streik-Demo, die sofort nach der Rückkehr starten sollte. Auch das Erlebte auf dem Streik vom Vortag wurde enthusiastisch diskutiert. Ist doch schön mit anzusehen, wie gewissenhaft die Kinder heutzutage sind und sich schon ganz wie die Erwachsenen verhalten. Durch Demos andere auf ein bekanntes Problem aufmerksam machen und sich selbst dann dafür wie verrückt feiern, um danach alles so weiterzumachen wie bisher.

Nächstes Jahr nach dem Abitur werden sich einige eine Auszeit gönnen und ein Jahr im Ausland – Neuseeland ist da ein beliebtes Ziel – verbringen. Diese Reisen sind für junge Menschen sehr wichtig, um für ihr zukünftiges Leben an der Discounterkasse gewappnet zu sein.

Mal sehen, was diese Generation in einigen Jahrzehnten auf die Beine gestellt hat. Vielleicht wird es ja genauso klasse, wie das, was die 68er Flower-Power-Peace-Generation so geleistet hat. Denn ist es nicht diese, die in den letzten fünfzig Jahren die Welt auf diesen interessanten Kurs gebracht hat?

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